Wilhelm von Humboldt Chronologie
1801-1810   Baskenland, Familie Humboldt in Rom

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1801-04-19 Wilhelm von Humboldt Abreise. Er reist allein durch die französischen und spanischen Regionen des Baskenlandes.
1801-06-14 Wilhelm kehrt nach Paris zurück.
1801-08-02 Heimkehr der Familie nach Deutschland; Ankunft der Familie in Erfurt. Weiterreise nach Berlin und Tegel. Wohnsitz in Tegel.
1801-Ende Auf Empfehlung des Altphilologen Friedrich August Wolf engagierte WvH Ende 1801 den Philologen Friedrich Wilhelm Riemer (1774-1845) als Hauslehrer der Söhne Wilhelm und Theodor. Seine Zuneigung für Humboldts Frau Caroline führte dazu, daß Riemer dessen Haus im Juli 1803 verließ.
1802 Bertel Thorwaldsens "Jason" begründet den Ruhm des Bildhauers. Dieser beschließt, in Rom zu bleiben. Er beginnt eine Affäre mit der Frau des Preußischen Residenten beim Päpstlichen Stuhl, Wilhelm von Uhden. Die Scheidung zwingt den katholisch gewordenen Uhden, seinen Dienst in Rom im Februar zu quittieren.
1802-05-15 Ernennung zum Geheimen Legationsrat und Preußischen Residenten beim Päpstlichen Stuhl.
1802-05-28 Geburt der dritten Tochter (Gabriele) in Berlin.
1802-08-02 Napoleon Bonaparte lässt sich zum Konsul auf Lebenszeit erklären.
1802-09-14 Abreise aus Tegel mit Ziel Rom. Friedrich Wilhelm Riemer (1774-1845) begleitet die Familie als Hauslehrer der Söhne. Für Gabriele ist eine Amme dabei, die Probleme bereitet.
Stationen der Reise nach Rom: 15.09. Weiterreise aus Potsdam (wohl über Dessau). - 17.09. Ankunft in Leipzig. - Abreise aus Leipzig am 19.09. - Ankunft in Weimar am 19.09. - Abreise aus Weimar (vermutlich) am 22.10. - Weiterreise "auf Goethes Spuren": Jena - Saalfeld - Coburg - Bamberg - Nürnberg - Donauwörth - Augsburg (1./2.10.; an Mme de Staël) - Kaufbeuren - Füssen - Lermoos - Fernpass (1216 m) - Nassereith - Innsbruck - Brenner (1370 m) - Brixen (7.10.; an Christine Reinhard) - Bozen - Trient - Rovereto - Verona (Ankunft 11.10. - Mantua (Ankunft: 14.10.) - Cremona (Ankunft: 16.10.) - Mailand (Ankunft: 17.10.; 8 Tage Aufenthalt; an Friedrich Wilhelm III. vom 20.10.; WvH muss dem Stellvertreter Napoleons in der neuen Cisalpinischen Republik, Melzi d'Erile (1753-1816) seine Aufwartung machen), Abreise aus Mailand wohl am 23.10. - Piazenza - Parma (29.10.; an Friedrich Wilhelm III.) - Modena - Bologna - Florenz (Ankunft: 3./4.11., Aufenthalt ca. 14 Tage, "eine kleine Reise nach Livorno eingerechnet", Abreise: 17.11.) - Arezzo - Perugia (1 ½ Tage Aufenthalt) - Terni (22./23.11.) - Von La Storta (letzte Station vor Rom) aus fahren Eltern und Kinder im offenen Wagen. Quellen
1802-10-15 WvH schreibt an Schiller aus Mantua (fortgesetzt am 18. 10. in Mailand).
1802-11-25 Ankunft der Familie in Rom gegen Abend bei Milde und untergehender Sonne. Einfahrt über den Ponte Molle.
Die Familie bezieht zunächst eine Wohnung, die der Vorgänger Wilhelm von Uhden besorgt hatte. Diese Wohnung war Teil der Villa Malta auf dem Pincio mit phantastischer Aussicht über Rom. Dort wohnte schon Friederike Brun, die zusammen mit ihrer Tochter Ida Brun zur langjährigen engen Freundin wurde. Friederike Brun machte Karoline von Humboldt mit den deutsch-römischen Künstlern bekannt, die im „geistigen und geselligen Mittelpunkt des deutschen Lebens in Rom“ zu vertrauten Freunden des Hauses Humboldt wurden.
WvH tritt seinen Posten als Preußischer Gesandter in Rom, genauer: als "Preußischer Resident beim Päpstlichen Stuhl" an (Anm.). Er bleibt es bis 1808.
1803 Wenige Wochen später, Anfang 1803, bezog die Familie von Humboldt eine Etage im geräumigen Palazzo Tomati, Via Gregoriana 42, wo auch Uhden residiert hatte und in dessen Rückgebäude, der Casa Buti (Via Sistina 46, danach Via Felice), die Witwe Buti eine Künstlerpension betrieb, wo sich Bertel Thorvaldsen, Daniel Rauch und andere Künstler eingemietet hatten. Umgang mit zahlreichen Künstlern. Freundschaft mit Fernow, der WvH bei Atelierbesuchen begleitet.
"Wir haben uns auf den Fuß gesetzt, Mittwoch und Sonntag immer zu Hause zu bleiben und zu empfangen" berichtet Caroline ihrem Vater, "die Künstler, die hier sind, und einige andere Deutschen bitten wir einmal in der Woche zum Essen."
Im Nachbarhaus wohnte der dänische Archäologe und Generalkonsul im Vatikan Johann Georg Zoëga (1755-1809). Auch er wurde Freund der Familie und unterrichtete die älteste Tochter, Caroline, im Griechischen.
1803-03 In Allgemeine Geographische Ephemeriden, Band 11, 3. Stück, März 1803, S. 265-313, erscheint WvHs Abhandlung "Der Montserrat bey Barcelona." (Vom Königl. Prss. Residenten Frhrn W. v. Humboldt zu Rom)
1803-04-27 Reichsdeputationshauptschluß.
1803-06-04 WvH vertritt nun auch die Interessen der Landgrafschaft von Hessen-Darmstadt und des neuen Fürstentums Oranien-Fulda (Erlass und Genehmigung der preuß. Regierung am 4. Juni 1803).
1803-07 Die Söhne Wilhelm (geb. 1794) und Theodor (geb. 1797) infizieren sich an einen Brunnen. Folge: vermutlich Gehirnhautentzündung.
1803-07 Friedrich Wilhelm Riemers Zuneigung für Humboldts Frau Caroline führte dazu, daß er dessen Haus im Juli 1803 verlassen muss.
1803-08-15 Der Sohn Wilhelm stirbt qualvoll an den Folgen der Infektion in (Arriccia, dem Sommerwohnsitz der Familie. Der Vater kommt zu spät. Theodor überlebt, vermutlich mit Spätschäden.
1804-03-05 Caroline von Humboldt begibt sich mit ihren Kindern Karoline und Theodor nach Deutschland und später nach Paris.
1804-07-02 Geburt der vierten Tochter (Luise) in Paris. Sie stirbt noch im selben Jahr
1804-08-03 A. von Humboldt kommt aus Amerika in Bordeaux an.
1804-10-18 Tod der Tochter Luise in Paris.
1804-12-25 Abreise Caroline von Humboldts aus Paris.
1805-01-29 Caroline trifft in Rom ein.
1805-03 Im März/April 1805 wurde die Position WvHs zum regulären Ministerresidenten erhöht (mit mäßiger Gehahltsanpassung).
1805-Frühjahr Im Frühling 1805 übernimmt der Lehrer und Altertumswissenschaftler Friedrich Karl Sickler (1773-1836) die ihm angetragene Hauslehrerstelle für WvHs Sohn Theodor; auch den Töchtern Adelheid und Gabriele hatte er einigen Unterricht zu erteilen. "Eine durch seinen Zögling hervorgerufene Mißhelligkeit boten ihm den Anlaß, seine Stellung nach zweijähriger Thätigkeit aufzugeben." (Quelle)
1805-04-30 Napoleon Kaiser der Franzosen.
Franz II. nimmt als Franz I. den Titel eines Kaisers von Österreich an.
1805-05-01 Aufenthalt Alexander v. H.s in Rom nach seiner Rückkehr aus Amerika,
wo er bis 16. Juli bleibt.
1805-05-09 Schillers Tod am 9. Mai.
1805 Niederlage Österreichs gegen Napoleon.
1806-01-07 Geburt des dritten Sohnes (Gustav) in Rom.
1806 WvHs Elegie "Rom" erscheint in Kommission bei Haude und Spener, Berlin 1806. Frau von Wolzogen gewidmet und von Alexander (1806) zum Drucke befördert. (Anm.)
WvH: "Latium und Hellas oder Betrachtungen über das klassische Altertum"
1806-04-10 Ernennung zum Bevollmächtigten Minister (mit mäßiger Gehahltsanpassung).
1806-10-14 Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Entscheidende Niederlage Preußens bei Jena: Zusammenbruch Preußens nach der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt (14. Oktober).
Rheinbund.
1806-11-01 Der klassische Philologe und Archäologe Friedrich Gottlieb Welcker (1784-1868) trifft in Rom ein und lernt sogleich WvH kennen. Gegenseitige aufrichtige Hochschätzung und Freundschaft. Welcker übernimmt Anfang des Jahres 1807 ohne Zögern die Hauslehrerstelle des abgehenden F. K. Sickler bis zum Frühjahr 1808.
1807 WvH: "Geschichte des Verfalls und Untergangs der griechischen Freistaaten".
1807 WvH: "Ueber den Charkter der Griechen, die idealische und historische Ansicht desselben".
1807-07-07 Friede von Tilsit (7-9. Juli). Beginn der preußischen Reformen unter Stein und Scharnhorst.
Hegel: "Phänomenologie des Geistes". Erstes Dampfschiff auf dem Hudson-River.
1807-11-12 Im November Tod des Sohnes Gustav in Rom (geb. 1806).
1808-07-08 F. A. Wolf schlägt vor, WvH zum außerordentlichen Mitglied der Akademie zu ernennen (Eingabe an Innenminister Frhr. vom Stein).
1808-07-21 Innenminister Frhr. v. Stein schlägt vor, anlässlich der Sitzung zur Feier des Geburtstags des Königs u.a. WvH als Ehrenmitglied zu wählen (Brief an Gerhard, Dir. d. Kgl. Akad. d. Wiss.).
1808-08-04 WvH wird in der Sitzung der Akademie zum Ehrenmitglied gewählt.
1808-08-15 Der König Friedrich Wilhelm III. genehmigt/bestätigt die Wahl.
1808-09 Im September Fürstentag zu Erfurt: Freundschaft Napoleon-Alexander I. Begegnung Goethe-Napoleon.
1808-10-14 Wilhelm von Humboldt kehrt im Herbst mit Sohn Theodor nach Deutschland zurück (über München, Erfurt und Weimar nach Berlin).
Seine Frau Caroline bleibt mit den Töchtern bis Sept. 1810 in Rom.
In München erfährt Wilhelm, dass er von Stein in die Sektion für Kultus und Unterricht berufen wurde.
Es folgen lange Verhandlungen
1808-12-15 König Friedrich Wilhelm III. genehmigt/bestätigt die Wahl WvHs zum Ehrenmitglied der Akad. d. Wiss. zu Berlin.
1808-12-15 Friedrich Wilhelm III. beruft Wilhelm durch Kabinettsorder auf die Stelle eines Direktor der Sektion für Kultus und Unterricht im Ministerium des Innern
1809-01-14 Wilhelm von Humboldt trifft mit Sohn Theodor in Berlin ein.
1809-01-17 WvH trifft in Berlin ein. Er lehnt zunächst die Ernennung ab, weil er nicht dem Minister unterstellt werden wollte, stimmt jedoch später zu (von der Goltz versprach ihm, den römischen Posten offen zu halten).
1809-01-19 WvH hält seine Antrittsrede vor der Akademie.
1809-02-10 Kabinettsorder (noch eine?), durch die W. von Humboldt zum Geh. Staatsrat und Direktor der Sektion für Kultus und Unterricht im Ministerium des Innern ernannt wird.
1809-02-20 Förmliche Ernennung Humboldts zum Geh. Staatsrat und Direktor der Sektion für Kultus und Unterricht (Abteilung III des neuen Innenministeriums). (April bis November)
1809-02-28 Dienstantritt WvHs im Ministerium.
Als Sektionschef arbeitet WvH an der Verwirklichung des Neuen Museums (heute Altes Museum) und seiner Verbindung mit der Universität.
1809-03-25 Bericht an Innenminister Dohna. Vorschlag zur Neuorganisation der Akademie.
1809-04-14 Ankunft in Königsberg, dem Sitz der preußischen Regierung. Er bleibt bis zum 5. Dez.
1809-04 April bis November in Königsberg.
Erneute Niederlage Österreichs gegen Napoleon.
Goethe: "Die Wahlverwandschaften".
1809-04-23 Geburt des vierten Sohnes (Hermann) in Rom.
1809-05-17 Friedrich Wilhelm III. weist seinen Staatsminister Graf von Dohna an, «... in Berlin bey der dortigen Akademie der Künste [eine besondere Musikbehörde und] eine Professur der Musik [zu] errichte[n] und solche dem Zelter [zu] übertragen ...«.
1809 WvH: "Über den Entwurf zu einer neuen Konstitution für die Juden".
1809-06-02 Ein heftiger Hagelschlag zerstört eine Vielzahl von Pflanzen des Königlich Botanischen Gartens in Schöneberg und richtet selbst in den Gewächshäusern größte Verwüstungen an.
1809-07-24 Wilhelm von Humboldt richtet als Direktor für Cultus und Unterricht an den König den Antrag auf Errichtung einer Universität in Berlin, mit der sich »der deutschen Wissenschaft eine vielleicht kaum jetzt noch gehoffte Freistatt eröffnen« werde.
1809-08-16 König Friedrich Wilhelm III. begründet die Universität nach WvHs Vorschlägen. Per Kabinettsorder verfügt er die Einrichtung einer allgemeinen Lehranstalt mit dem Namen einer Universität. Er bestimmt das Palais des Prinzen Heinrich zum Sitz der Berliner Universität.
Der König verfügt darin weiter, dass bei der Berufung von Gelehrten an die Berliner Universität der Grundsatz der »Erhaltung und Gewinnung der ersten Männer jeden Fachs« eingehalten werden muss.
1809-09 September und Oktober: Reise nach Memel.
1809-09-22 Kgl. Kabinettsorder: Verbindung der Universität mit den beiden Akademien und sämtlichen Instituten unsd Sammlungen (wie Bibliotheken, Sternwarte, botan. Garten, anatom. Museum, Medaillen-Kabinett) zu einem organischen Ganzen mit jeweils angemessener Selbständigkeit.
1809-10-30 Mit einer Kabinettsorder setzt König Friedrich Wilhelm III. der Sonderstellung der Französischen Gemeinde zu Berlin ein Ende. Das französische Koloniedepartement, das französische Oberdirektorium und das französische Bürgerrecht wurden abgeschafft.
1809-11-02 In einem provisorisch hergerichteten Raum an der Gartenseite des ersten Obergeschosses beginnt in der Berliner Universität der vorläufige Lehrbetrieb. Die offizielle Eröffnung und die rechtskräftige Übereignung des Grundstücks erfolgte erst Ende 1810.
1809-11-20 Tod des Schwiegervaters W. von Humboldts.
1809-12-01 Wilhelm von Humboldt berichtet dem König Friedrich Wilhelm III. in einem Kabinettsbericht über die Anfänge universitären Lebens im Prinz-Heinrich-Palais.
1809-12-03 Die königliche Familie begibt sich in Begleitung des Arztes Christoph Wilhelm Hufeland von Ostpreußen auf die Rückreise nach Berlin. König Friedrich Wilhelm III. war 1806, vor Ausbruch des Vierten Koalitionskrieges, nach Königsberg geflohen.
1809-12-05 Abreise aus Königsberg (Urlaub wegen des Todesfalles der Mutter).
1809-12-15 15. Dez. 1809 bis 20. Januar 1810: WvH nimmt Urlaub. Erfurt, Rudolstadt, Weimar
1809-12-23 König Friedrich Wilhelm III., Königin Luise und der königliche Hof (inkl. Leibarzt Christoph Wilhelm Hufeland) werden in Berlin feierlich empfangen.
1810-01-18 Friedrich Wilhelm III. empfiehlt der Akademie der Wissenschaften auf Rat Wilhelm von Humboldts, dem Leiter der Königlichen Bibliothek Johann Erich Biester das Amt eines Sekretärs der philosophischen Klasse zu verleihen, was dieser jedoch nicht annahm.
1810-01-30 Ankunft WvHs in Berlin.
1810-03 März/April 1810: Christian Rauch in Neapel mit Frau von Humboldt.
1810 Gründung der Universität in Berlin.
1810 Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Berlin.
1810-03-26 Wilhelm von Humboldt überreicht als Chef der Sektion für öffentlichen Unterricht dem Innenministerium eine Denkschrift mit dem Ziel, die Tierarzneischule wegen ihrer wissenschaftlichen Ausrichtung in die Universität einzugliedern.
1810-04-29 Entlassungsgesuch WvHs. Begründung: Verwässerung des Steinschen Verfassungsplanes.
1810-05-23 Wilhelm von Humboldt überreicht König Friedrich Wilhelm III. einen Generalbericht zur Ausführung der Kabinettsorder vom 16. August 1809, die als Stiftungsurkunde der Berliner Universität gilt.
1810-05-30 Eine Kommission »zur Errichtung der Universität« in Berlin, bestehend aus Johann Daniel Wilhelm Otto Uhden, Johann Wilhelm Süvern und Friedrich Daniel Schleiermacher, wird durch eine Kabinettsorder eingesetzt.
1810-06-14 Der König nimmt das Abschiedsgesuch WvHs als Direktor der Sektionen des Kultus und des öffentlichen Unterrichts an.
Kabinettsorder, durch die W. von Humboldt zum Außerordentlichen Gesandten und Bevollmächtigten Minister in Wien mit dem Charakter eines Geheimen Staatsministers ernannt wird.
1810-09-22 Ankunft in Wien und Übernahme der Dienstgeschäfte.
1810-09 Sept. Caroline von Humboldt verläßt Rom.
1810-10-21 Ankunft Caroline von Humboldts in Wien.